
Buchvorstellung „Ausnahmezustand. Hochschulen im deutschsprachigen Raum seit dem 7. Oktober. Zeugnisse von Betroffenen“ mit Julia Bernstein
November 17 @ 19:00
Bildnachweis Cover: Wallstein Verlag
»Ausnahmezustand«
Hochschulen im deutschsprachigen Raum seit dem 7. Oktober – Zeugnisse von Betroffenen
herausgegeben von Julia Bernstein, Alfred Bodenheimer und Elisabeth Schilling im Wallstein Verlag. (ISBN: 978-3-8353-6192-8)
Deutschsprachige Hochschulen sind seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 kein sicherer Hort mehr für jüdisches Leben. Betroffene schildern, wie die Normalität von einst zerstört worden ist.
Am 7. Oktober 2023 begann für jüdische Menschen eine neue Zeitrechnung. Auch jenseits der medial sichtbaren Fälle und hasserfüllten Demonstrationen auf den Straßen, öffentlichkeitswirksamen Besetzungen und Boykottaufrufen an Universitäten veränderte sich die Atmosphäre an vielen Hochschulen nachhaltig.
Was machte diese Entwicklung mit jüdischen Menschen, die an diesen Hochschulen tätig sind? Inwiefern wurden ihr berufliches Selbstverständnis, ihre Position im akademischen Raum und ihre Lebensrealität beeinflusst? Welche Strategien entwickelten sie im Umgang mit Anfeindungen und institutionellen Unsicherheiten?
In über sechzig Selbstzeugnissen von Mitgliedern des Netzwerks jüdischer Hochschullehrender in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie ihres Unterstützungskreises entwerfen Betroffene ein eindringliches Bild von Zurückweisung, Ausgrenzung und Vereinsamung in jener Lebenswelt, die sie einst als ihre geistige Heimat betrachtet hatten. Zugleich dokumentiert der Band die Handlungsfähigkeit der Beteiligten unter erschwerten Bedingungen. Das Buch eröffnet damit einen ebenso bestürzenden wie aufschlussreichen Blick auf die prekäre Lage jüdischer Hochschulangehöriger hinter den aufgeladenen Diskursen unserer Zeit.
Julia Bernstein
Julia Bernstein ist Antisemitismusforscherin und Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences. Sie ist Vorsitzende des Netzwerks jüdischer Hochschullehrender und leitet den Forschungsbereich zum gesellschaftlichen Erbe des Nationalsozialismus.