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Der Vorsitzende der Fraktion der Partei DIE LINKE im Trierer Stadtrat, Jörg Johann, hat sich beleidigend und herabwürdigend gegenüber der jüdischen Publizistin Malca Goldstein-Wolf geäußert. Johann bestreitet, dass die Äußerungen von ihm selbst stammen und sagt, sein Facebook-Account sei wohl gehackt worden, weshalb er diesen nun deaktiviert habe.

Wegen dieser beleidigenden Aussagen haben wir seitens des Trierer DIG-Vorstandes einen Brief an Oberbürgermeister Wolfram Leibe geschrieben, in dem wir Konsequenzen fordern. Diesen Brief dokumentieren wir hier.

Heute war der Vorfall Thema der Stadtratssitzung. Eine Zusammenfassung dazu folgt im Anschluss an den Brieftext.

Der Brief:

Trier, den 20. Oktober 2026

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Wolfram Leibe,

der Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. AG Trier möchte Sie auf eine öffentliche Äußerung des Stadtratsmitglieds Jörg Johann aufmerksam machen, die wir mit großer Sorge zur Kenntnis genommen haben.

Anlass war ein Beitrag der jüdischen Publizistin Malca Goldstein-Wolf auf Facebook, in dem sie die aus ihrer Sicht antisemitische und islamistische Bedrohungslage in Berlin thematisierte und zugleich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für dessen ihrer Meinung nach unzureichende Reaktion kritisierte. Über die Zuspitzung dieses Beitrags und die darin vorgenommene politische Bewertung kann selbstverständlich kontrovers gestritten werden.

Herr Johann reagierte darauf jedoch öffentlich mit den Worten:

„Selten sowas Hirnloses gelesen. Wander doch aus oder mach einen Bogen um Berlin. Oder biste etwa reich und hast einen Kackstift in der Unterhose?“

Diese Aussage richtet sich an eine jüdische Publizistin, die in ihrem Beitrag Antisemitismus und die Bedrohung von Jüdinnen und Juden in Deutschland thematisiert. In diesem Zusammenhang lässt sich die Aufforderung „Wander doch aus“ nicht von der Frage gesellschaftlicher Zugehörigkeit trennen. Sie berührt unmittelbar die Frage, ob Jüdinnen und Juden selbstverständlich als Teil dieser Gesellschaft betrachtet werden oder ob ihre Zugehörigkeit dann zur Disposition steht, wenn ihre Wahrnehmungen oder politischen Positionen auf Widerspruch stoßen.

Dies wiegt umso schwerer vor dem Hintergrund der seit dem 7. Oktober 2023 massiv verschärften antisemitischen Bedrohungslage. Viele Jüdinnen und Juden erleben seitdem ganz konkret, dass ihre Sicherheit und ihre gesellschaftliche Zugehörigkeit zur Disposition steht. Wer einer jüdischen Stimme, die auf Antisemitismus hinweist, in einer solchen Situation entgegenhält, sie solle auswandern, verstärkt genau dieses Gefühl: dass jüdische Zugehörigkeit zu Deutschland offenbar doch nicht selbstverständlich ist.

Dabei geht es uns ausdrücklich nicht darum, über eine antisemitische Gesinnung Herrn Johanns zu spekulieren. Entscheidend ist die Äußerung selbst. Sie ist nahtlos anschlussfähig an antisemitische Deutungsmuster, in denen Jüdinnen und Juden als nicht selbstverständlich zugehörig, als fremd oder letztlich außerhalb der nationalen Gemeinschaft stehend markiert werden. Die Aufforderung „Wander doch aus“ folgt in diesem Kontext genau dieser Logik: Die Zugehörigkeit der jüdischen Adressatin erscheint nicht als voraussetzungslos, sondern als etwas, das bei politischem Dissens infrage gestellt werden kann; insbesondere, wenn Jüdinnen und Juden auf virulenten Antisemitismus hinweisen und damit ein gesellschaftliches Selbstbild irritieren, das sich selbst als aufgeklärt und vom Antisemitismus weitgehend geläutert versteht. Statt diese Irritation zum Anlass für eine Auseinandersetzung mit dem benannten Problem zu nehmen, wird sie hier gegen die jüdische Stimme selbst gewendet: Nicht der Hinweis auf Antisemitismus wird ernst genommen, sondern derjenigen, die ihn äußert, wird nahegelegt, das Land zu verlassen.

Als Deutsch-Israelische Gesellschaft setzen wir uns für jüdisches Leben in Deutschland, gegen Antisemitismus und für eine politische Kultur ein, in der auch scharfe und kontroverse Auseinandersetzungen geführt werden können, ohne die gesellschaftliche Zugehörigkeit des Gegenübers infrage zu stellen. Von gewählten Vertreterinnen und Vertretern erwarten wir dabei eine besondere Verantwortung für die Sprache, die sie im öffentlichen Raum verwenden. Dies gilt umso mehr für politische Akteure und Parteien, die selbst den Anspruch erheben, gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten.

Angesichts der Schwere dieser öffentlichen Äußerung eines Mitglieds des Stadtrats unserer Stadt bitten wir Sie, sich in Ihrer Eigenschaft als Vorsitzender dieses demokratischen Gremiums davon zu distanzieren, diese Äußerungen bei der nächsten Stadtratssitzung zu verurteilen und Ihre Unterstützung für alle Einwohnerinnen und Einwohner von Trier, unabhängig von ihrer Nationalität, Religion, ethnischen Zugehörigkeit oder ihrem Geschlecht, zu bekräftigen.

Mit freundlichen Grüßen

Doctor Medic Mark Indig

Vorsitzender des Vorstandes der

Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. AG

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Zum Thema bei der heutigen Stadtratssitzung:

Matthias Koster verlas in seiner Funktion als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der LINKEN eine Erklärung von Jörg Johann. Dieser war selbst nicht anwesend.

Jörg Johann bestritt in seiner Erklärung, der Urheber der Pöbelei gegen Malca Goldstein-Wolf zu sein. Er finde diese Pöbelei „widerwärtig und ekelerregend“. Er sei heute nicht in der Sitzung, weil er durch das Ganze mitgenommen und auch seine Familie in Mitleidenschaft gezogen sei. Er habe sich nie antisemitisch geäußert und Leute, die ihn kennen, wüssten, dass so etwas nicht sein Sprachgebrauch sei. Heute sei es üblich, mit öffentlicher Anprangerung zu reagieren, statt ein direktes Gespräch mit den Betreffenden zu suchen.

Danach gab Matthias Koster noch eine persönliche Erklärung ab. In Trier dürfe kein Platz für Antisemitismus sein. Das sei nicht nur die Position der LINKEN, sondern des gesamten Stadtrats.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe erklärte, Antisemitismus habe in der Stadt nichts verloren. Diese Feststellung dürfe sich nicht auf Sonntagsreden beschränken. Man sei stolz auf die jüdische Gemeinde, jüdisches Leben gehöre zu Trier. Er lade zur Gedenkveranstaltung am 9. November ein. Er sagte, man müsse ein Zeichen setzen: „Nie wieder ist jetzt! Trier ist nicht antisemitisch!“